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all the present must be transformed:
Matthew Barney und Joseph Beuys

28. Oktober 2006 bis 12. Januar 2007

Mit all in the present must be transformed: Matthew Barney und Joseph Beuys präsentiert das Deutsche Guggenheim vom 28. Oktober 2006 bis 12. Januar 2007 das Werk zweier Künstler, die trotz ihrer zeitlichen und räumlichen Trennung zahlreiche ästhetische und konzeptuelle Gemeinsamkeiten aufweisen. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die metaphorische Materialbehandlung, die transformatorische Zielsetzung sowie die Beziehung zwischen Aktion und Dokumentation in der Praxis von Beuys und Barney. Dass dabei auch philosophische Differenzen in Erscheinung treten – verstärkt durch den Generationssprung von der Moderne zur Postmoderne –, vertieft unser Verständnis des spezifischen Werkcharakters.

Skulpturen
Joseph Beuys’ Terremoto (1981) entstand in Rom im Rahmen einer Aktion zur Unterstützung der italienischen Zeitung Lotta Continua. Die Installation verknüpft mehrere Erzählebenen. Die Setzmaschine symbolisiert die Macht des gedruckten Worts, Gedanken weiterzuverbreiten. Sie ist mit Manifesten beklebt, die auf die Fragen soziales Engagement, Umweltschutz und freie Meinungsäußerung aufmerksam machen. Die Tastatur hat Beuys mit dem für ihn typischen Fett bestrichen, um eine Energiequelle zu schaffen, die das Kommunikationsmittel für die Übertragung von Ideen stärkt. An der Maschine lehnt eine italienische Fahne in Filz gewickelt – einem Stoff, der isoliert und heilt. Schultafeln tragen Zeichnungen menschlicher Köpfe mit offenem Mund, deren lautloser Schrei den Opfern des Erdbebens gilt, das 1980 Neapel heimgesucht hat. Der Titel des Werks bezieht sich auf dieses Ereignis.
Matthew Barneys Chrysler Imperial (2002) illustriert Szenen aus dem zuletzt entstandenen Film des fünfteiligen CREMASTER-Zyklus (1994–2003), der noch einmal alle Leitmotive Revue passieren lässt. Jedes der fünf Hauptelemente – Abstraktionen der Autos, Baujahr 1930, die im Foyer des Chrysler Building ein Stockcar-Rennen austragen – trägt das Emblem einer CREMASTER-Episode und verkörpert die Konflikte, die der Werkkreis erforscht. Als Kurzversion des Zyklus verdeutlicht Chrysler Imperial, wie Barney eine Filmhandlung mittels Vaseline und plastischer Kunststoffe in greifbare Form gießt und wie er seine in der Zeitdimension vollzogene Recherche im Raum fortsetzt.
Joseph Beuys entwickelte das Objekt Eurasienstab (1967–1968) in einer Serie von Aktionen zum Themenkreis »Eurasia«, einschließlich jener des Jahres 1968 in Antwerpen, die das hier gezeigte Video dokumentiert. Mit dem Konzept »Eurasia« suchte Beuys, die uralte kulturelle Trennung zwischen Ost und West aufzuheben, wie auch auf die Teilung Deutschlands hinzuweisen. Der Stab als Energieleiter soll den östlichen Transzendentalismus mit dem westlichen Rationalismus verbinden.
Matthew Barneys erste Installation Field Dressing (1989–1990) vereint Performance, Video und Skulptur zu einer Formel, die für sein späteres Werk maßgeblich wurde. Die Bildschirme zeigen den Künstler bei der Inter-Aktion mit den ausgestellten Objekten. Thematisiert werden der Leistungswahn des Extremsports sowie die Möglichkeit, durch Widerstand Form zu erzeugen und durch Disziplin Potenzialkräfte freizusetzen.

Vitrinen
Joseph Beuys’ Vitrinen stellen ihr Inneres zur Schau wie Glaskästen in Kunst- und Naturkundemuseen. Diese Doppelwertigkeit stützt sein Argument, dass Kunst nie aus Gesellschaft und Natur herausgelöst werden darf. Die Vitrine aus dem Jahr 1983 enthält Fat Filter (1964) und Schlitten (1969), ein Multiple, das die Überlebensfrage im Kern von Beuys’ persönlicher Mythologie anspricht. Die andere, 1984 entstandene Vitrine versammelt Objekte aus der Aktion Incontro con Beuys (1974) in Pescara. Eine in Filz gewickelte Kupferplatte und italienische Würste, die Beuys während der Aktion zerschnitt, evozieren die Prozesse Wärmeisolierung und Energieerzeugung.


Für Matthew Barney bietet die Vitrine die Möglichkeit, Editionen der CREMASTER-Filme als Skulptur zu präsentieren. Die Handlung von CREMASTER 2 (1999) kreist um die Geschichte des mormonischen Mörders Gary Gilmore. Die Vitrine des Films ist mit Bienenwaben ausgekleidet – eine Anspielung auf den Bienenkorb im Wappen des US-Bundesstaats Utah. Die Plastikbox für CREMASTER 3 trägt die Farben der irischen Flagge, Grün und Orange, da der Film auf die Zweiteilung Irlands Bezug nimmt.

Zeichnungen
Die Zeichnung spielt eine Schlüsselrolle im Werk von Beuys und Barney. Sei es als Impuls für eine neue Arbeit, als Fortsetzung eines bereits realisierten Projekts oder als Element einer Performance – stets wird das konzeptuelle Grundgerüst auf Papier festgehalten. Ikonografisch gesehen dokumentieren die Zeichnungen die Beschäftigung beider Künstler mit Verwandlungsprozessen und individuellen Kosmologien. Beuys benutzte die Kreuzform als grafisches Sinnbild seiner Überzeugung, dass von der Kunst eine Heilkraft ausgehen könne. Bei Barney nimmt es die Form des »Feldzeichens« an, das wie ein Kenn- oder Markenzeichen in seinem Werk erscheint. Das Emblem – eine Ellipse, durchschnitten von einem horizontalen Streifen – steht für den disziplinierten Körper, den eingedämmten Energiefluss, die Zone des reinen Potenzials.


Anlässlich der Ausstellung erscheint der Katalog all in the present must be transformed: Matthew Barney und Joseph Beuys mit zahlreichen Farbabbildungen und Textbeiträgen von Nancy Spector, Christian Scheidemann, Mark Taylor und Nat Trotman zum Preis von 39,80 Euro.

Für die Edition Nr. 37 des Deutsche Guggenheim entwarf Matthew Barney angelehnt an Joseph Beuys’ 1985 entstandene Edition Filzpostkarte ein Postkartenset mit dem Titel From Mud, a Blade. Beide Editionen entstanden in einer Auflage von jeweils 100 Exemplaren, davon 30 signiert (400 bzw. 500 Euro) und 70 unsigniert (59 bzw. 10 Euro).

Die Ausstellung wird von einem umfassenden Rahmenprogramm mit Künstlergespräch, Vorträgen sowie Kinderprogramm begleitet. In einer Kooperation mit dem Kino baylon berlin:mitte findet vom 25. Oktober 2006 bis 14. Januar 2007 eine umfangreiche Präsentation von Filmen von und über Matthew Barney und Joseph Beuys statt. Kostenlose Führungen werden täglich um 18 Uhr angeboten. Die bekannten Lunch Lectures mittwochs um 13 Uhr sowie die sonntäglichen Themenführungen um 11.30 Uhr runden das Programm ab. Ausführliche Informationen entnehmen Sie bitte den beigefügten Unterlagen.

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Fotomaterial zur Ausstellung
kann unter www.photo-files.de/guggenheim direkt aus dem Netz heruntergeladen werden.

Weitere Informationen
Deutsche Guggenheim
Kontakt: Sara Bernshausen
Telefon: (030) 202093-14
Fax: (030) 202093-20
email: berlin.guggenheim@db.com
Internet: www.deutsche-guggenheim.de