<< zurück zur Übersicht

>> zum Presseecho


Douglas Gordon‘s
The VANITY of Allegory

16. Juli bis 9. Oktober 2005

Das Deutsche Guggenheim in Berlin präsentiert vom 16. Juli bis 9. Oktober 2005 Douglas Gordon’s The VANITY of Allegory, ein als Gruppenausstellung konzipiertes Selbstporträt. Der schottische Künstler Douglas Gordon ist ein passionierter Geschichtenerzähler. Die Fabeln, die er spinnt, führen seine Filme, Videos, Klanginstallationen, Fotografien und Texte fort, bis sie auch von seiner Person als Künstler erzählen. Das Selbstporträt, genauer gesagt die Inszenierung eines wandelbaren, rätselhaften Ichs, ist wichtiger Bestandteil seines Werks – und weitgehend performativ und indirekt. Die eigens für das Deutsche Guggenheim konzipierte Ausstellung Douglas Gordon's The VANITY of Allegory beleuchtet das verschleierte Selbstporträt als kunsthistorischen Topos, literarischen Kunstgriff und filmische Strategie, und untersucht die Schnittstelle zwischen dem Vanitas-Sinnbild als Betrachtung der Vergänglichkeit des Lebens und der Selbstdarstellung als Akt der Eitelkeit und als Mittel zur Selbstverewigung.
Für Douglas Gordon's The VANITY of Allegory nutzt der Künstler die Kunst- und Filmgeschichte als Quellenmaterial und verarbeitet existierende Werke als Readymades in der Umsetzung des Themas. Seine Installation – zu der ein eigenes Kino gehört – umfasst Leihgaben aus der Sammlung des Guggenheim Museums sowie aus Privatsammlungen und vereint eigene Arbeiten mit Werken von Künstlerkollegen. Gordon montiert frühere und zeitgenössische Werke und Filme zu einer visuellen Collage, die von Selbstdarstellung und doppelter Identität erzählt. Die so entstandene Ausstellung ist ein extravagantes, spielerisches Mosaik zu den zentralen Themenkreisen seiner künstlerischen Arbeit: der Vergänglichkeit des irdischen Daseins, dem Kampf zwischen Gut und Böse und der Dialektik von Gegensätzen.
Die Ausstellung ist für sich genommen ein Kunstwerk, in dem Gordon die egoistische Suche nach dauerhafter Anerkennung mit der Angst vor der Vergänglichkeit des Lebens verknüpft und damit beides zum maßgeblichen Impuls des künstlerischen Schöpfungstriebes erklärt. Ausgangspunkt des Ganzen eine Signatur – die Inschrift, mit der Pietro Perugino den Pfeil versieht, der auf seinem Gemälde den Hals des Hl. Sebastian (1493–94) durchbohrt: „Petrus Perusinus pinxit“. Die Signatur auf dem Pfeil löst eine Kette von Assoziationen aus – vom feinen Unterschied zwischen Gewalt und Erotik (der Pfeil/Name durchbohrt den Be- bzw. Getroffenen) bis zum Narzissmus des Künstlers. Perugino verweist so auf seine Urheberschaft, deshalb deutet Gordon es als verschleiertes Selbstporträt des Malers und erkennt darin Peruginos seltsam intime Beziehung zur Figur des Hl. Sebastian. Bei dem Gemälde, so Gordon, könne man nicht sagen, wo die Allegorie (Märtyrertum, Seelenheil, Sterblichkeit) aufhört und die Eitelkeit anfängt.
Wenn bei Douglas Gordon das eigene Abbild im Werk erscheint, dann stets in Verkleidung. In der Fotografie Selfportrait as Kurt Cobain, as Andy Warhol, as Myra Hindley, as Marilyn Monroe (1996) trägt Gordon eine schlecht sitzende blonde Perücke und konstruiert so eine mehrdeutige Identität, die sich nicht an Merkmalen der vier berühmten Persönlichkeiten festmachen lässt. Mit anderen Worten, der Künstler stellt sich in Verkleidung eines anderen ins Bild – ein performativer Transvestitismus, der es ihm erlaubt, die Vorstellung vom einheitlichen Ich auszudehnen und zugleich in neue Bahnen zu lenken. Es ist daher nicht überraschend, dass Marcel Duchamp und Andy Warhol die konzeptionellen Pfeiler der Ausstellung bilden – beide haben sich eine sorgfältig konstruierte public persona zugelegt, die ebenso Teil ihres Oeuvres war wie die Kunstwerke selbst. Sowohl Duchamp als auch Warhol erscheinen in ihren Werken in eigener Person und erweitern das Bedeutungsfeld ihrer Selbstdarstellung durch Auftritte in Frauenkleidern. Duchamp trat 1920 in der Maske seines weiblichen Alter Ego Rrose Sélavy vor die Kamera Man Rays; Warhol machte von 1980 bis 1982 immer wieder Polaroids von sich in diversen weiblichen Verkleidungen.
Die Ausstellung The VANITY of Allegory untersucht die künstlerische Ausdrucksform der Selbstdarstellung – ob verschleiert oder offenkundig – anhand von Werken zeitgenössischer Künstler wie Matthew Barney, Robert Gober, Roni Horn, Jeff Koons und Robert Mapplethorpe. Werke von Damien Hirst, Lawrence Weiner und Cerith Wyn Evans sinnieren über die Vergänglichkeit des Lebens.

Das Medium Film spielt in Gordon’s Werk ebenfalls eine wichtige Rolle. Er verwendet vorhandenes Material als Readymade und projiziert dieses oft doppelt und sogar spiegelverkehrt auf zwei frei stehende Leinwände. Für die Ausstellung im Deutsche Guggenheim hat Douglas Gordon ein eigenes Kino vorgesehen, in dem von ihm ausgewählte Filme das Thema der Ausstellung fortführen und zusätzlich beleuchten. Gezeigt werden Filme wie The Legend of Leigh Bowery (Charles Atlas, 2002), Apocalypse Now Redux (Francis Ford Coppola, 2001), Peter Pan (Walt Disney, 1953), The Picture of Dorian Gray (Albert Lewin, 1945) und Dr. Jeckyll and Mr. Hyde (Rouben Mamoulian, 1931).

Das Motiv der Spiegelung ist ebenfalls ein Leitmotiv in Gordons Kunst. Es dient zugleich als strukturelles und metaphorisches Requisit, um das für ihn so wichtige Prinzip der Dopplung zu visualisieren. Auch in The VANITY of Allegory wird dem Spiegel eine Struktur- und Symbolfunktion zugewiesen. Eine zur Gänze verspiegelte Wand verdoppelt visuell den Galerieraum, wodurch eine kaleidoskopische Wirkung entsteht: Der Betrachter sieht sich selbst beim Betrachten der Kunst, die ihrerseits zweimal sichtbar ist. Um diese optische Dualität zu steigern, hat Gordon von einigen Künstlern (Barney, Gober, Horn und eigene) Werkpaare zusammengestellt, die innerhalb der Installation Resonanzen erzeugen – Gleiches erhellt Gleiches.

Douglas Gordon’s The VANITY of Allegory wurde vom Künstler in Zusammenarbeit mit Nancy Spector, Kuratorin für zeitgenössische Kunst am Solomon R. Guggenheim Museum in New York, kuratiert. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit einem Aufsatz von Nancy Spector und Erläuterungen von Francis McKee zu den einzelnen Werken und Filmen (Deutsch oder Englisch, € 35). Als Edition Nr. 32 des Deutsche Guggenheim entstanden 100 Polaroids mit Selbstporträts von Douglas Gordon. Jede Arbeit ist ein signiertes Unikat und ist für € 400 (mit Katalog) exklusiv im MuseumsShop erhältlich.

Douglas Gordon’s The VANITY of Allegory wird darüber hinaus von verschiedenen Sonderveranstaltungen und Vorträgen begleitet. Am 21. Juli 2005 um 19 Uhr stellt Raimar Stange, Kritiker und Kurator, in seinem Vortrag „Ich sind Andere“ Überlegungen über das vergängliche Verhältnis von „Subjekt" und "Individuum" an, untermalt mit Stimmen von Sören Kierkegaard, Wolfgang Welsch, Brian Holmes und Tönen von u.a. Velvet Underground, Madonna und Bob Dylan.
Am 17.August 2005 um 20 Uhr gibt es eine Sondervorführung der 16mm-Filme Scorpio Rising und Puce Moment von Kenneth Anger mit einem Talk von Francis McKee, freier Kurator und Co-Autor des Ausstellungskataloges. Unter dem Titel Lucifer and the Honeybee beleuchtet McKee die Entstehung der beiden Filme und ihre Stellung in Kenneth Angers Gesamtwerk sowie ihre Bedeutung für die aktuelle Ausstellung.
Persona und Phantasma – Mise en scène und Mise en abîme im Film ist das Thema eines Vortrages von Gregor Stemmrich am 15. September 2005 um 19 Uhr. Gregor Stemmrich ist Buchautor und Professor an der Hochschule für Bildende Künste Dresden und spricht in seinem Vortrag über Schauspielerführung, Lichtgestaltung, Kameraführung und den speziellen Kunstgriff der behaupteten Identität von Autor und Erzähler.
Zur 18. Langen Nacht der Museen am 27. August präsentiert das Deutsche Guggenheim parallel zur Ausstellung unter dem Motto Myself as... im Atrium der Deutschen Bank eine Verwandlungsperformance mit den Besuchern. In dem Kino, das Teil der Ausstellung ist, wird es darüber hinaus Sondervorführungen der Filme The Picture of Dorian Gray von Albert Lewin, (1945, 110 min, OF) um 20 Uhr, Dr. Jekyll and Mr. Hyde von Rouben Mamoulian (1931, 92 min, OF) um 22 Uhr und Stanley Kubricks A Clockwork (1971, 131 min, OmU) um 23.45 Uhr geben. Die Ausstellung ist in der Langen Nacht der Museen bis 2 Uhr geöffnet.

Neben dem traditionellen Familienbrunch, der am Sonntag, dem 11. September um 11.30 Uhr im Deutsche Guggenheim stattfindet, wird unter dem Titel Wer bin ich? ein spezielles Programm für Kinder zwischen vier und zwölf Jahren angeboten. Am 30. und 31. August, sowie am 21. und 22. September, jeweils um 16 Uhr, können die kleinen Kunstliebhaber ihr eigenes Selbstporträt gestalten.
Kostenlose Führungen finden täglich um 18 Uhr statt. Die bekannten Lunch Lectures mittwochs um 13 Uhr sowie die sonntäglichen Themenführungen um 11.30 Uhr runden das Rahmenprogramm ab.

>> Diese Pressemitteilung als PDF downloaden



Fotomaterial zur Ausstellung

kann unter www.photo-files.de/guggenheim direkt aus dem Netz heruntergeladen werden.

Weitere Informationen

Deutsche Guggenheim
Leitung: Silvie Buschmann
Telefon: (030) 202093-14
Fax: (030) 202093-20
email: berlin.guggenheim@db.com
Internet: www.deutsche-guggenheim.de