The Incredible Tale of the Innocent Old Lady and the
Heartless Young Girl: Miwa Yanagi im Hara Museum Tokio
 Miwa
Yanagi, Gretel, 2004 Sammlung
Deutsche Bank, ©Miwa Yanagi
Im
letzten Jahr sorgte sie mit künstlich gealterten "Großmüttern" und den
kühlen Hostessen ihrer Serie Elevator Girls im Deutsche
Guggenheim für Aufsehen: Die junge japanische Fotokünstlerin Miwa
Yanagi setzt zur Weltkarriere an. Nachdem ihre Arbeiten in Düsseldorf,
Moskau und Shanghai zu sehen waren, widmet das Tokioter Hara
Museum Yanagis aktuellem Werkzyklus nun eine Solo-Show: The
Incredible Tale of the Innocent Old Lady and the Heartless Young Girl.
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Foto-Serie Fairy Tales.
Hierbei fokussierte sich die Japanerin auf Märchen, in denen
heranwachsende Mädchen alten, weisen und mitunter auch unheimlichen Frauen
begegnen, wie in den Volksmärchen der Gebrüder
Grimm oder der zeitgenössischen Kurzgeschichte Erendira
des Kolumbianers Gabriel
García Márquez.
 Miwa
Yanagi, Erendira, 2004 Sammlung
Deutsche Bank, ©Miwa Yanagi
Yanagis
Oeuvre basiert auf der Wirklichkeit und Beobachtung der japanischen
Gesellschaft. Frauen, Erscheinungsbilder und Etiketten stehen im Zentrum
ihrer Werke. Sie handeln von Uniformen oder Verkleidungen, von Gruppen und
Zugehörigkeiten – und der Befreiung davon. Im Gegensatz zu ihren früheren,
digital bearbeiteten Fotografien beschränkte sich Yanagi bei den 2004
entstandenen Fairy Tales auf die Mittel der klassischen schwarzweiß
Fotografie. Wie bereits bei ihren im Deutsche Guggenheim gezeigten Grandmothers
arbeitet sie allerdings wieder mit Spezialeffekten und Make-Up, um junge
Mädchen in die Rolle von Greisinnen schlüpfen zu lassen. Die fantastischen
Traumszenarien und hermetischen Räume, die sie für ihre Inszenierungen
erschafft, sind dabei alles andere als bloße Illustrationen von
traditionellen Sagen und Mythen.
 Miwa
Yanagi, Rotkäppchen, 2004 Sammlung
Deutsche Bank, ©Miwa Yanagi
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Aschenputtel,
Rotkäppchen,
Gretel und
Rapunzel – sie alle
haben ihren Auftritt, jedoch unter merkwürdigen Bedingungen: So umarmt
Rotkäppchen ihre Großmutter in der aufgeschlitzten Bauchhöhle des erlegten
Wolfes während Gretel in eine schrumpelige Hand beißt, die sich ihr in den
dunklen Käfig hinein entgegen streckt. Kein Zweifel – hinter ihren
faltigen Masken agieren die jungen Mädchen wie grausame
Puppenspielerinnen, die das Rollenspiel unter verkehrten Vorzeichen
sichtlich auskosten. Die bösen Stiefmütter und Hexen, die im klassischen
Märchen junge Mädchen quälen, finden hier ebenbürtige Gegnerinnen. So
schnappt sich in Yangis Sleeping Beauty Dornröschen
ihre Spindel und attackiert eine alte Frau, die am Spinnrad sitzt.
Subversiv loten Yanagis bedrückende und surreale Szenarien die Schichten
individuellen und kollektiven Bewusstseins aus. Zugleich verkörpern ihre
weiblichen Märchengeschöpfe ein Paradox. Das ist die Moral von Yanagis
modernen Märchen – in jeder alten Frau verbirgt sich ein junges Mädchen
und in jedem Mädchen eine alte Frau.
Miwa Yanagi - Hara
Museum, Tokio The Incredible Tale of the Innocent Old Lady and the
Heartless Young Girl 13.08.2005 - 06.11.2005
Minimalistisch
reduzierte Formensprache: Not Vital im Kunstraum Salzburg
 Not
Vital, Camel, 2003 Courtesy
Galerie Thaddaeus Ropac Salzburg, Paris
Neue
Zeichnungen und Skulpturen des Schweizer Künstlers Not
Vital sind zurzeit im Kunstraum der Deutschen Bank in Salzburg zu
sehen: Der 1948 geborene Vital ist einer der international bedeutendsten
Bildhauer, dessen Arbeiten in Museen wie der Kunsthalle
Basel, dem Museum of Modern Art ,
im Guggenheim
oder 2001 auf der Biennale in
Venedig gezeigt wurden. Als Autodidakt entwickelte Vital ein Oeuvre, das
von den archaischen Formationen des schweizerischen Gebirges ebenso
geprägt ist, wie von der Architektur seiner Wahlheimat New York oder der
afrikanischen Wüstenstadt Agadez, in die der Künstler regelmäßig reist.
Die Offenheit für ganz unterschiedliche Kulturen ist charakteristisch für
Vitals Werk und schlägt sich in Arbeiten nieder, in denen der Künstler
europäische Motive mit Einflüssen aus anderen Kontinenten kombiniert. Die
daraus resultierenden Arbeiten, wie zum Beispiel Camel on Skis
(1993) erscheinen doppeldeutig und surreal zugleich.
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1000 Tears, 2004, schwarzer Marmor, 4
Teile, Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac Salzburg, Paris
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A Model for a Water Tower, 2004,
schwarzer Marmor, Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac Salzburg, Paris
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Nach der letzten Einzelausstellung in Paris zeigt die
Galerie Thaddaeus Ropac im Kunstraum
Salzburg eine Reihe von Arbeiten, die typisch für Vitals minimalistische
und reduzierte Formensprache und seinen Umgang mit kostbaren Werkstoffen
sind. Mit Camel (2003) knüpft der Künstler an die
Auseinandersetzung mit Tiermotiven an. Zugleich weist der Titel der
fünfzehn Keramiken auf ihren Inhalt hin: die Überreste eines in der Sonne
verdörrten Kamels, die zerschnitten und in die Skulpturen portioniert
wurden. Auf unterschwellige Weise verweist die Arbeit auf
Bestattungsrituale und lässt die in der westlichen Zivilisation
verbreiteten Berührungsängste mit Tod und Verfall physisch spürbar werden.
Die
Beschäftigung mit Unbekanntem und Geheimnisvollem durchzieht Vitals Werk
kontinuierlich: So wurde seine 2004 entstandene, archaisch anmutende Stele 1000
Tears vom Künstler mit den Abdrücken von 1000 Tränen versehen.
Not
Vital – Kunstraum Salzburg Skulpturen und Zeichnungen 29.08.-08.10.2005
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