GLOBAL GROOVE 2004: Nam June Paiks elektronische Bühne
Für die Produktion von "Global Groove 2004" im Deutsche Guggenheim in Berlin
war ein Team von New Yorker Kuratoren und Restauratoren notwendig. John
Hanhardt und Caitlin Jones von der Abteilung für Film und Medien des
Guggenheim Museums über elektronische Kataloge, die Veränderung von
Videokunst durch neue Gerätetechniken und das Internet als utopische
Tauschbörse

John Hanhardt und Caitlin Jones
Kurz vor der
Eröffnung von
Global Groove 2004 in der
Deutschen Guggenheim in Berlin, traf sich Cheryl Kaplan mit
John Hanhardt, dem Senior Curator für Film und Medien des
Guggenheim Museums und
Caitlin Jones, der Wissenschaftlichen Mitarbeiterin und Koordinatorin der
Ausstellung Global Groove 2004 von
Nam June Paik, in ihrem New Yorker Büro in SoHo. Mit ihnen sprach Kaplan
über die Vorbereitungen zur Berliner Ausstellung und über den Katalog, der
von der Publikationsabteilung des Guggenheim Museums veröffentlicht wurde
und gerade in Italien produziert wird. Gestaltet wurde der Katalog zu
Global Groove 2004 von dem New Yorker Büro 2 x 4 Inc., das für seine
innovativen Buchdesigns für die Architekten
Maya Lin und
Philip Johnson bekannt ist. Gleich nach dem Interview brachen John
Hanhardt und Caitlin Jones nach Berlin auf.
CHERYL KAPLAN:
Mr. Hanhardt, Sie waren der Kurator von
The Worlds of Nam June Paik im Guggenheim Museum in New York. Es war
die erste amerikanische Retrospektive des koreanischen
Multimedia-Künstlers seit 1982. Wie entwickelte sich das Konzept für
die Ausstellung Global Groove 2004 im Deutsche Guggenheim aus der
Retrospektive im Jahr 2000 heraus?
JOHN HANHARDT: Die
Retrospektive wurde zwar im Jahr 2000 organisiert, aber die Arbeit daran
begann schon einige Jahre früher mit Gesprächen, die ich 1996 nach meiner
Berufung als Senior Kurator für Film und Medienkunst mit
Tom Krens, dem Direktor des Guggenheims, führte. Damals wurde ich mit dem
Projekt betraut, zusammen mit Paik eine Retrospektive zu entwickeln, die
seine Bedeutung für die Kunst des späten 20. Jahrhunderts und seine
neuesten Arbeiten in den Mittelpunkt stellen sollte. Die Ausstellung
wanderte weiter nach Korea und ins
Guggenheim Museum in Bilbao. Die Arbeit für Berlin begann etwa vor zwei
Jahren. Krens war für die
Guggenheim Museum SoHo an der Video-Wand interessiert, die ursprünglich
für das
Samsung Center for New Media geschaffen wurde.
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Paik entwickelte ein Konzept für das Jubiläum seiner
Ein-Kanal Video-Arbeiten. Global Groove 2004 feiert das 30-jährige
Bestehen der erstmaligen Austrahlung des Original Global Groove im
Jahr 1973, das Jubiläum von Paiks einzigartigem Beitrag zu Video und
Fernsehen.

Andruck einer Doppelseite des Katalogs zu Global Groove 2004
CK: Worin unterscheiden sich die Konzepte und die
Arbeiten an den Katalogen zu Global Groove 2004 und The Worlds
of Nam June Paik ?
JH : Der Katalog zu The Worlds of
Nam June Paik beschäftigt sich mit der Geschichte und Entwicklung von
Paiks künstlerischer Laufbahn, unter Berücksichtigung seiner Skulpturen,
Installationen, Performances und seiner Verbindung zum
Fluxus. Daran habe ich mit meinem Kollegen
Jon Ippolito zusammengearbeitet. Nun arbeite ich mit Caitlin Jones, die an
der Entwicklung des Projekts maßgeblich beteiligt ist. Im Katalog findet
sich ein Beitrag von mir, der Bezug auf frühere Texte zu Paiks
Ein-Kanal-Videobändern und Arbeiten fürs Fernsehen nimmt, ein Essay von
Caitlin, die sich mit dem Einfluss Nam June Paiks auf eine jüngere
Generation von Arbeiten beschäftigt, sowie eine kurze Analyse zu
Global Groove von der Kunsthistorikerin Anja Osswald. Die Publikation
beinhaltet auch einen Nachdruck des 1974 vom
Everson Museum herausgegebenen Katalogs mit frühen Texten von Paik. Damit
vermitteln wir die damaligen Sichtweisen und Paiks frühe Äußerungen über
Video und Fernsehen.
CAITLIN JONES: John hatte die Idee, den
Everson Katalog einzubeziehen. Die Fragen, die in den Texten von 1974
aufgegriffen werden, befassen sich mit
Copyright, technischen Experimenten mit Medien und der Manipulation von
Hardware. Noch immer sind diese Themen hochaktuell und bezeugen, wie
progressiv Nam June Paik damals war. Seine frühen Texte der Global
Groove-Version von 2004 gegenüber zu stellen ist schon sehr
verblüffend. Junge Künstler sind begeistert von Paiks Verspieltheit und
seinem Umgang mit der Hardware bei den Skulpturen.
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