William Sommer: Two Dancing Figures, ca.
1924, Sammlung Deutsche Bank
In Anbetracht des Umstandes, dass fast zwei Jahre vergingen bis die Bank ihr
Kerngeschäft wieder in Downtown ansiedeln konnte, ist die Zusammenführung
der zuvor in unterschiedlichen Gebäuden untergebrachten Abteilungen
erstaunlich schnell vollzogen worden. Diese Leistung betrifft auch die New
Yorker Sammlung. Sie beruht nicht nur auf der guten Zusammenarbeit von Liz
Christensen mit den Kuratoren in Frankfurt, sondern auch auf den Einsatz
der Mitarbeiter und der Resonanz, die Kunst im Haus findet. So bemerkte
Liz Christensen: "Wir haben zwei Stockwerke mit Konferenzräumen, die
Internationalität zum Thema haben und Mitarbeitern, Kunden und Besuchern
die Möglichkeit zum Kunsterlebnis bieten." Zusätzlich werden regelmäßig
Talks mit ausstellenden Künstlern initiiert, an denen auch Besucher
teilnehmen können. An der Wall Street erweitern sich die Kunstaktivitäten,
die bereits während der letzten Jahre in Midtown an Profil gewonnen haben.
Um das Umzugsprojekt der Bank erfolgreich in die Tat umsetzen zu können,
musste Liz Christensen theoretisch vorgehen und gleichermaßen die
räumlichen Gegebenheiten berücksichtigen. Während erste Konzepte für die
Hängung der Sammlung am Computer konzipiert wurden, entschied sich häufig
erst vor Ort, ob das Kunstwerk auch wirklich in die geplante Umgebung
passte.

Lee Krasner: Twenty-four Hours Dark, 1981,
Sammlung Deutsche Bank
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Während die neu renovierten Etagen ein extrem
minimalistisches Design aufweisen, sind andere, wie die 20. Etage, mit
aufwendigen Holzvertäfelungen und Fensterläden ausgestattet. Hier finden
sich die Three Dancing Figures eine 1923 entstandene Gruppe von
Aquarellen des Künstlers
William Sommers, die der berühmten Gemäldeserie von
Lee Krasner Twenty Four Hours Dark von 1981 gegenüber gestellt
sind. Deutlich wird auf den unterschiedlichen Stockwerken spürbar, dass
der Schwerpunkt auf einem übergreifenden Dialog verschiedener Kulturen
liegt, der erst durch die Verknüpfung unterschiedlicher kunsthistorischer
Kategorisierungen und Zuordnungen sichtbar wird. So findet sich auf
derselben Etage eine seltene 1963 entstandene Gouache von
Eva Hesse neben Alfred
Jensens berühmter Zahlenserie Second Version of 5760 Days: 360
= 16 Solar Years, einer Ölarbeit auf Papier. Müßte man nicht arbeiten,
wäre es ein leichtes, den Tag damit zu verbringen, durch die Flure zu
streifen oder die Werke von
Laurence Weiner zu betrachten.

Alfred Jensen: Second Version of 5760 Days: 360 = 16 Solar Years, 1977,
Sammlung Deutsche Bank
Während der 20. Stock
von purer Eleganz zeugt und den Eindruck vornehmer Zurückgezogenheit
hinterlässt, taucht der Besucher auf den Trading Floors in den unteren
Geschossen mitten in ein hektisches und brodelndes Getümmel. Es mutet wie
in einem Hollywoodfilm an. Bevor man endlose Reihen von Monitoren und
LED-Anzeigen erreicht, die unweigerlich an
Michael Douglas in
Wall Street denken lassen, offenbart sich noch ein fantastischer
Ausblick auf das Panorama von New York, das einen daran erinnert, warum
der Weg nach Oben die Mühe wert ist. Liz Christensen räumt ein, dass die
Handelsräume "visuell überfrachtet sind". Dennoch fand sich auch hier eine
freieWand für die Scherenschnitt-Serie von
Imi Knoebel, die jene Portion Ruhe und Humor ausstrahlt, die hier dringend
nötig ist.
Das Kuratieren von Kunst auf 45 Stockwerken
verlangt Fähigkeiten, die auch beim Film gefordert sind, das Gespür für
Sequenzen, Dialoge, Schnitt und das Publikum. Der Erfolg besteht nicht nur
darin, große Ideen zu entwickeln. Es geht auch darum, genau abzuwägen und
kuratorische Visionen mit der Präzision eines Film-Cutters in die Tat
umzusetzen.
Übersetzung: Oliver Koerner von Gustorf, Maria
Morais
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