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>> Kunst im neuen Gebäude Wall Street

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Die Plasmabildschirme, die den Eingang zum Foyer säumen und auf denen zur Zeit Spots der aktuellen Werbekampagne der Bank zu sehen sind, könnten in Zukunft auch Videos und Sampler von Künstlern aus der Sammlung wiedergeben. Was an diesem Ort augenblicklich ins Auge fällt, ist die Ausdruckskraft von Gerhard Richters großformatigem Gemälde Abstraktes Bild - Faust von 1981, das den Wartebereich im Foyer beherrscht und den Eindruck von Energie und Bewegung vermittelt. Fast erscheint es, als würde sich das Bild in den Raum ausdehnen und den Betrachter miteinbeziehen. Ursprünglich aus der Düsseldorfer Niederlassung der Deutschen Bank stammend, hat es an der Wall Street eine neue Heimat gefunden. Auf dem Weg ins Untergeschoss stößt man auf eine kleine Ausstellung von Christo-Drucken, die vierzig Jahre der Arbeit des Künstlerpaares Christo und Jean Claude veranschaulicht, indem sie Entwürfe und Fotografien von realisierten Kunstprojekten nebeneinander stellt. Zugleich verweist die Präsentation auf das Projekt The Gates für den Central Park ein Vorhaben, dessen Realisierung sich die Künstler bereits seit 1979 wünschen und das nun von der Stadt New York genehmigt wurde. Die Christo-Installation wird im Februar 2005 unter der Schirmherrschaft der Public Private Alliance for the Gates Project eingeweiht. Die Deutsche Bank ist hierbei als Unternehmen auch Gründungspartner des Fördervereins. Die Erlöse aus den Verkäufen des Projektes The Gates werden für den Naturschutz und für die Kunstförderung in New York eingesetzt. Als Mitglied der Public Alliance arbeitet die Bank eng mit dem Künstler zusammen, um dieses einzigartige Geschenk an die Stadt in jeder Hinsicht optimal zu unterstützen.


Louise Nevelson: Entwurf für Sonnenscheibe/Mondschatten V, 1976-78, Sammlung Deutsche Bank

Tatsächlich alle Arbeiten an dem neuen Schauplatz in der Wall Street besichtigen zu wollen, würde wahrscheinlich über vierzig Tage dauern. Während es sich bei einem Großteil der Kunstwerke um Arbeiten auf Papier handelt, beherbergt das Gebäude auch zahlreiche Gemälde. Die einzige Skulptur der Sammlung stammt von Louise Nevelson und findet sich in der Vorstandsetage. Liz Christensen lud mich zu einer privaten Führung ein, um mir einen Eindruck davon zu vermitteln, wie die Sammlung strukturiert wurde und wie sie sich in der Alltagswelt der Mitarbeiter der Deutschen Bank integriert, die umgeben von Kunst, Kultur und Handel arbeiten. Besonders deutlich wird das Konzept der Sammlung in den Eingangsbereichen und in den Fluren, die sich in unmittelbarer Nähe zu den Fahrstühlen befinden. Potenziell gibt es mindestens 45 Wege, die Sammlung zu erleben und kennen zu lernen. Bis auf zwei Stockwerke werden sämtliche Etagen genutzt um die Sammlung zu präsentieren.

So erklärte mir Liz: "In der 46. Etage, die dem Thema "Form und Abstraktion" gewidmet ist, wird Blinky Palermo James Nares gegenübergestellt, oder Keith Haring in Bezug zu den Arbeiten von Nina Bovasso gesetzt. So wird sichtbar, wie sich Künstler unterschiedlicher Generationen, Nationalitäten und mit unterschiedlichem Hintergrund mit der abstrakten Zeichensetzung auf Papier auseinander gesetzt haben."


Liz Christensen, New York

Die räumliche Anordnung der Sammlung nimmt unmittelbar Bezug auf die Betätigungsfelder und Befindlichkeiten jener Menschen, die in den einzelnen Stockwerken arbeiten. Anders als bei einem Museum oder einer Galerie, wo Arbeiten zumeist in "White Cubes" ausgestellt werden, wird die Sammlung hier in einer äußerst betriebsamen Arbeitsumgebung gezeigt. Tatsächlich ergibt die Gesamtfläche aller 47 Stockwerke an der Wall Street eine Fläche von 487.680 Quadratmetern, was für ein Bürogebäude dieser Größenordnung angemessen scheinen mag. Im Kunstkontext stellt dies jedoch einen Raum unglaublichen Ausmaßes dar, der mit größter Genauigkeit in einzelne Segmente oder "Kapitel" aufgegliedert werden muss, die in ihrer Gesamtheit so etwas wie eine "Geschichte" widerspiegeln. Auf gewisse Weise kann man sich das Konzept der Unternehmenssammlung in solch einem Gebäude wie einen gigantischen Leporello vorstellen, der mit jeder Seite ein neues Level visueller Informationen erreicht.


William Sommer: Three Dancing Figures, ca. 1923,
Sammlung Deutsche Bank

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