In dieser Ausgabe:
>> Interview mit Andrea Zittel
>> Miwa Yanagi: Die Schönheit des Kerkers
>> Nenn mich nicht Stadt
>> Neue Formen der Governance
>> Arbeit am Mythos

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CK: Ihre Arbeit bewegt sich stets auf dem schmalen Grat zwischen der Flucht, dem Entkommen vor der Gesellschaft als ein freiwilliger Akt, und dem Exil, das jede gesellschaftliche Teilnahme ausschließt. Pocket Property, eine 44 Tonnen schwere schwimmende Insel vor der Küste Dänemarks, die von der dänischen Regierung in Auftrag gegeben wurde, verbindet eine extreme Fluchtmöglichkeit mit einem Exil.

AZ: Bei Pocket Property dachte ich an Vorstädte. Es gibt dort immer einen "tropischen" Hintergarten oder einen "alpinen" Hintergarten. Man möchte ein Haus mit einem großen Rasengrundstück, um in der Illusion zu leben, man hätte keine Nachbarn, aber natürlich hat man sie. Wir sehnen uns nach unserem eigenen abgeschotteten Königreich.

CK: Zuflucht verspricht Vergnügen und Wohlbefinden. Beim Exil handelt es sich genau um das Gegenteil. Sind Ihre Units Prototypen für eine ideale Stadt, die weder urban noch suburban ist?

AZ: Sie sind Markierungen oder Indikatoren für einen Zustand. Ich frage mich, was passieren würde, wenn wir in Transporter-Kapseln leben und überall hinreisen würden, ob man gerne mit jemand zusammen leben würde, an den man sich einfach andocken könnte. Das wäre eine entwicklungsfähige Erweiterung der Idee, die hinter den Units steckt, aber ich weiß nicht, ob das wirklich gut wäre.


Andrea Zittel: A-Z Homestead Units #2, 2001,
Sammlung Deutsche Bank, © Andrea Zittel

CK: Die Grenzen zwischen Funktion, Einschränkung und Vergnügen bilden einen Teil Ihrer Arbeit, besonders, da sie mit gesellschaftlichen Regeln zu tun hat. Ist Einschränkung ein urbaner oder ein anti-urbaner Wesenszug?

AZ: Sie ist ein kapitalistischer Wesenszug, und somit urban. Wenn man innerhalb einer großen Gemeinschaft arbeitet, benötigt man Parameter, damit alles funktioniert. In einer nicht urbanen Umgebung muss man nicht wie ein Uhrwerk zusammenarbeiten. Es gibt genug Raum für Abweichungen.


CK: Soziale Regeln bilden einen Mechanismus zur Selbstkontrolle. Das lässt sich auch auf ihre Breeding Units (Bruteinheiten) anwenden. Anfang der Neunziger lebten Sie mit 200 Hühnern und anderen Tieren auf 60 Quadratmetern in Ihrer New Yorker Wohnung.

AZ: Die Regeln verfallen ständig, in dem gleichen Ausmaß, in dem sie funktionieren.



Andrea Zittel: A-Z Breeding Unit for Averaging Eight Breeds, 1993,
Mit freundlicher Unterstützung der Künstlerin und Andrea Rosen Gallery New York, © Andrea Zittel, Foto: Paula Goldman

CK: In welcher Form gibt das Zusammenspiel von Bewegung und Sesshaftigkeit Ihrer Arbeit die Struktur vor?

AZ: Ich werde von zwei Kräften angezogen. Einerseits von Freiheit und Beweglichkeit, andererseits von Sicherheit und Bequemlichkeit. Es besteht eine Spannung, bei der einmal das eine, einmal das andere überwiegt, aber dann kann das eine wieder aus der Notwendigkeit heraus dominieren. Man kann es mit der Mobilität oder damit, einer Sache ausgesetzt zu sein, auch zu weit treiben. Dann kann es passieren, dass man sich ein Haus in der Wüste kauft.

CK: Sogar Jack Kerouac dürfte mitunter sesshaft gewesen sein.

AZ: Ich glaube, dass eine dieser Vorstellungen, die richtige ist. Nur welche, das kapiere ich nicht.

Übersetzung: Maria Morais / Oliver Koerner von Gustorf

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