CK: Ihre Arbeit wirkt
öffentlich und zugänglich, aber auch extrem privat und intim.
AZ: Die Leute werden über meine Arbeiten lesen und hier vorfahren.
Entweder führe ich ein Eremitendasein und produziere Arbeiten für Museen,
oder aber ich lebe mein persönliches Leben und bin bereit, es anderen
Leute zugänglich zu machen.
CK: Das Eindringen ist ein
Dilemma.
AZ: Es ist das Gegenteil von dem, was ich will.
CK: Ihre Arbeitsweise könnte man auch als eine Reihe von Satelliten
verstehen, in denen sich wiederholende Prozesse mit dem mittelalterlichen
Ansatz des Workshops kombiniert werden, als eine Form der Zusammenarbeit.
Jede Einheit funktioniert nicht nur unabhängig, sie verweist auch auf
Regierungsformen in einem größeren Rahmen, sowohl praktisch als auch
sozial. Die Produkte, die Sie herstellen, und die dazugehörenden
Arbeitsprozesse scheinen von einem hochorganisierten, dennoch
dezentralisierten System abhängig zu sein, das sich auf die Organisation
von Stadt bezieht.

Andrea Zittel: A-Z West, beide Fotos: Andrea Zittel
AZ: Sehen Sie A-Z West oder A-Z Ost
als Satellitenstadt?
CZ: Irgendwie sind sie gegenseitig
Satellitenstädte voneinander.
AZ: Das mittelalterliche
Verständnis ist sehr ausgeprägt, aber nicht wirklich beabsichtigt. In New
York lebte meine Assistent bei mir Zuhause. Wir waren rund um die Uhr
zusammen. Ich hatte keine Privatsphäre. In Kalifornien wohnte ein
Assistent in meinem Haus, dann gab es da einen jungen Typen aus dem Ort,
mit dem ich etwas am Laufen hatte, und außerdem noch einen vorbestraften
21-jährigen, um den ich mich kümmerte. Heute wohnt mein Assistent
woanders, auch wenn wir schon wieder überlegen, zusammen eine Firma zu
gründen: eine Kombination aus Galerie, Kunstladen und Handelskammer.
CK: Welchen Wandlungen waren die Möbel unterworfen? Oberflächlich
betrachtet weisen Ihre Arbeiten Verbindungen zum Minimalismus auf und
wirken so sauber.
AZ: Die Ideologie dahinter hat sich
geändert. In den neunziger Jahren drehten sich meine Arbeiten darum,
menschliche Unzulänglichkeiten auszugleichen und Wege zu finden, die uns
leistungsfähiger und organisierter machen sollten. Um 1997 herum sagte ich
einfach, vergiss es, die Leute bringen sowieso immer alles durcheinander.
Man verschwendet so viel Zeit damit, Dinge zu verwalten, dass man gar
nicht mehr zum leben kommt. Wir sind geradezu besessen davon, Sauberkeit
zum moralischen Maßstab zu erheben. Das Ergebnis ist Paranoia.
Raugh war der Versuch, lockerer zu werden. Die Arbeit war zugleich
kritisch und erforschend. Ich habe dann Regeln zu Raugh
ausgearbeitet. Eine Regel besagt, wenn du dir eine Küche kaufst, achte
darauf, dass die Oberflächen leicht zu reinigen sind. Dann hatte ich die
Offenbarung: Wenn sie den Schmutz tarnt, ist es noch besser.
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Andrea Zittel: A-Z West: Food
Processing Station (kitchen), Foto: Andrea Zittel
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Andrea Zittel: Detail Food Processing
Station, Foto: Andrea Zittel
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CK: Sie haben "registrierte"
Lizenzen verkauft, die Andere dazu befugten, "registrierte Kopien" Ihrer
Arbeiten herzustellen. Führte das zu einer Reduktion Ihrer
Produktionskosten und zu einem gesteigerten Wiedererkennungswert für Ihre
"Marke"?
AZ: Eine Menge von Institutionen haben
Kopien angefertigt, aber die Mehrheit der Abnehmer wollte
Originalarbeiten. Es gab sechs oder sieben Versionen des
pit-bed, einige davon waren exakte Kopien, andere entfernten sich
radikal von der Vorlage. Mich haben die Produktionsbedingungen
interessiert. Ein Möbelhersteller bot mir die Massenanfertigung von
Objekten nach meinen Entwürfen an, aber dabei hätte die Sache ihren
experimentellen Charakter verloren. Immer wieder sagten meine Studenten:
"Ich würde so gerne in dieser oder jener Arbeit wohnen, aber ich kann sie
mir einfach nicht leisten." Also sagte ich: "Kopiert sie." Leute mit einer
Menge Geld kauften die offiziellen Arbeiten und die Studenten konnten sie
kopieren. Die Vorstellung des Wertes war dabei entscheidend.
CK:
Diese Vorstellung scheint sich allgemein durchzusetzen, von der Madison
Avenue bis zur Canal Street, wenn man an die Wiedererkennung von Marken
denkt.
AZ: Wenn ich zusehen konnte, wie die Leute arbeiten
und was sie für sich aussuchen, hatte das für mich etwas von einer
Gesellschaftsstudie. Es war wie Sozialforschung.

Andrea Zittel: A-Z Cellular Compartment Units, 2001,
Installationsansicht IKON-Gallery, Birmingham, UK ,
Mit freundlicher Unterstützung von Andrea Rosen Gallery New York
und IKON-Gallery, U.K., © Andrea Zittel
CK: Im Mittelalter waren Rückzugsorte auf
Bergspitzen angesiedelt, obwohl Dante sich in seiner Vita Nuova in einen
privaten Raum zurückzog, "um zu weinen, ohne gesehen zu werden." Weitet
sich das Konzept des Rückzugs durch A-Z West zu einem
durchdachten System aus, das diese Bedürfnisse bedient?
AZ:
Ich habe oft über dieses starke Bedürfnis nach Rückzug nachgedacht. Wenn Sie
erwähnten, dass Dante einen Raum hatte, in dem er weinen konnte, kann ich
das gut nachvollziehen. Als ich nach New York zog, passierte es, dass ich
die Wohnung verließ und nur zwei Blocks entfernt von Angstzuständen
überwältigt wurde, so dass ich wieder nach Hause gehen musste. Seitdem
wollte ich private Orte schaffen, an denen ich atmen konnte. Es gibt ein
System, das für mich sehr gut funktioniert, aber es macht mich wirklich
fertig, wenn jemand hier zu Besuch ist. Ich habe eine bestimmte Methode
morgens aufzustehen und das Haus aufzuräumen. Ich steige aus der Dusche
und für jeweils fünf Gegenstände, die ich aufgehoben habe, ziehe ich ein
Kleidungsstück an. Wenn ich soweit bin rauszugehen, ist das Haus
aufgeräumt. Das klappt prima, aber ich kann das nicht machen, wenn jemand
anwesend ist.

Andrea Zittel: Wallens, 2002, Innen- und Aussenansicht,
Mit freundlicher Unterstützung der Künstlerin und Andrea Rosen Gallery New
York, © Andrea Zittel, Foto: Oren Slower
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