"Ein scharfes Teil..."
Das Publikum und Richard Artschwagers "Kreuz und Quer / Auf und Nieder"
Richard Artschwager hebt Bilder und Objekte "aus den Angeln": In seinem
Oeuvre sind Zeichnung, Skulptur und Bild eigenständige Gattungen und
dennoch inhaltlich und formal verbunden. Dass sich sein Werk auf keine
eindeutigen Kategorien festlegen lässt, hat ihm häufig den Ruf des
"Geheimnisvollen" und "Rätselhaften" eingetragen. Doch wie reagiert das
Publikum auf Artschwagers Kunst? Oliver Koerner von Gustorf hat
sich mit Ausstellungsbesuchern im
Deutsche Guggenheim unterhalten und Texte und Zitate zu den am häufigsten
aufkommenden Fragen zusammengestellt. "Deine Wände sind meine
Wände und, wenn due es wünscht, meine Wände deine Wände." Richard
Artschwager, 1970
Allison und Marc, London:
Allison: Ich bin Kunststudentin in London und interessiere mich
grundsätzlich für Kunst. Wir sehen uns deswegen hier in Berlin alles
Mögliche an und kamen auch hierher. Wir wussten allerdings vorher nicht,
dass
Richard Artschwager gezeigt wird, und ich muss gestehen, dass ich vorher
auch noch nichts von ihm gehört hatte. Ich war etwas verblüfft, dass die
Ausstellungshalle so klein ist. Wir waren gerade nicht ganz sicher, ob wir
wirklich alles gesehen haben. Aber es ist ganz toll, wie der Raum genutzt
wird, die Ausstellungsgestaltung ist wirklich ziemlich beeindruckend. Ganz
besonders mag ich die dreidimensionalen Arbeiten.
 
Marc: Ich finde den Mirror hier eine der
besten Arbeiten. Und Green Closure hat mir wirklich gefallen. Ganz
toll, wie Artschwager die Reflexion des grünen Tischtuches auf dem Boden
aufgreift. Wirklich schlau. Da steckt ja auch eine Menge Witz in diesem
Bild. Das ist eine lustige Situation, all die Anzüge und dann diese nackte
Person am Tischende. (Gelächter) Und sehen sie sich das mal an (zeigt auf
Hairpiece), dieses "Haarteil", das zeugt von einem wunderbaren Sinn für
Humor.

Richard Artschwager, Green Closure,
Allison:
Ich mag diese Würfel oder die Stühle. Sie sehen so gegenwärtig und frisch aus,
ganz zeitgenössisch. Ich wundere mich wirklich, warum ich noch nie etwas
von Artschwager gehört habe, warum er mir noch nicht untergekommen ist.
Bei meinem Studium sagen mir meine Lehrer, dass ich mich auf ein
bestimmtes Gebiet der bildenden Kunst spezialisieren soll, aber ich kann
das nicht, und deswegen finde ich diese Ausstellung ganz besonders schön.
Marc: Ich habe den Text im Faltblatt gelesen, dass Artschwager sich damit
beschäftigt, woran ich einen Tisch erkenne, wann ein Tisch zur Skulptur
wird, und damit, was ein Tisch überhaupt ist. Und dann komme ich in die
Ausstellung und sehe diesen Stehtisch im Durchgang - und frage mich, ob
ich noch in der Ausstellung bin oder nicht. Das war mir schon fast ein
bisschen unheimlich.
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Eva Maria und Andreas, Berlin:
 
Eva Maria: Die Ästhetik der Ausstellung erscheint
mir ein bisschen comic-mäßig , wie aus den vierziger Jahren, alles nicht
in den leuchtenden Farben von Disney oder Jeff Koons, sondern eher braun
und trübe. Es hat fast etwas Kitschiges. Das Gediegene dieser
Laminat-Oberflächen hinterlässt bei mir einen unangenehmen Nachgeschmack,
auch wenn ich Artschwagers Kunst schätze, wird er nie zu meinen
Lieblingskünstlern zählen.
Andreas: Wie bei vielen
Künstlern, die als kryptisch gelten, muss man Artschwagers Arbeiten
einfach nur wörtlich nehmen.
Warum verschwimmen bei
Richard Artschwagers plastischen Arbeiten die Grenzen zwischen Skulptur,
Möbelstück und bildlicher Darstellung? Klicken Sie auf die folgenden
Bilder und erfahren Sie mehr...
     
Ehepaar aus Süddeutschland:
Eigentlich haben wir uns die
Ausstellungen hier in Berlin "querbeet" zusammengestellt. Wir haben ein
paar Museen rausgesucht, und da war auch diese Ausstellung dabei. Wobei
uns auch die Konzeption der
Deutschen Guggenheim interessiert. Guggenheim ist weltweit ein Begriff. Im
New Yorker Guggenheim waren wir schon, jetzt bleibt natürlich auch noch
Barcelona, das kennen wir noch nicht. Aber das spricht uns an, und es
reizt uns vorbeizukommen und zu schauen. Wir sind also erst einmal
deswegen gekommen, und außerdem ist hier Montags geöffnet und der Eintritt
frei, das ist eine gute Sache. Von Artschwager haben wir schon gehört, so
wie man von vielem hört, aber wir wussten über ihn nichts näheres. Er ist
doch auch im
Whitney Museum vertreten, oder?

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