Mich interessiert Ihr Konzept der Surrogate, der
Ersatzstoffe. Die Skulpturen aus Formica waren die ersten, bei denen Sie
einen Ersatzstoff verwendet haben. Gibt es da eine Beziehung zu den
Zeichnungen?
Ich habe gerade eine
Zeichnung vollendet, für die ich einen groben Entwurf angefertigt hatte,
und es war gar nicht so viel anders als mit Formica zu experimentieren.
Der einzige Vorteil von Formica ist, daß man eine Menge damit anstellen
kann, ansonsten schränkt es einen doch ziemlich ein. Es kann aber sehr
ausdrucksvoll sein. Bei Formica bleibt das Bild auf der Oberfläche haften,
es verhält sich vollkommen anders als sonstige Materialien.
Das Formica zieht den Betrachter an und stößt ihn gleichzeitig ab.
Ich habe für eine Woche in Madrid auf Spanisch unterrichtet. Bei einer der von
mir gestellten Aufgaben sollte ein rundes Loch in eine Straßenkarte
geschnitten und dieses Loch dann ausgefüllt werden. Jemand anderes bekommt
die Scheibe und arbeitet damit weiter.
Das erinnert mich an die
Zeichnungen in der Deutsche Guggenheim.
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Untitled, 1981, Deutsche Bank
Collection ©VG Bild-Kunst, Bonn 2003
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Untitled, 2001, Deutsche Bank
Collection ©VG Bild-Kunst, Bonn 2003
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Die gehören wirklich zu meinen besten Arbeiten. Die
Räumlichkeit, die scheint bei ihnen besser zu funktionieren.
Germano Celant hat einen interessanten Aspekt im Verhältnis
zwischen dem Barock und Ihrer Arbeit entdeckt.
Er ist
schließlich Italiener!
Celant schrieb, dass im Barock
"Technologie genutzt wurde, um Konstruktionsprobleme zu lösen" und "dass
die Transformation von Materie ohne intellektuelle Vermittlung der
eigentliche Antrieb barocker Häresie sei."
Entledige
dich der Schwerkraft, und du hast Barock oder Chaos. Diese eleganten
Linien - man kennt sie von ägytischen und minoischen Plastiken. Im Barock
sollen die Dinge schweben, die Schwerkraft ist aufgehoben.
Man
sieht Ihren Arbeiten die Mühe nicht an. Kennen Sie die Malerei von
Karin Davie? Ihre überdimensionalen Wirbel erinnern mich an Ihre
marmorierten Arbeiten.
Clay Ketter ist ein anderer Künstler, der einem einfällt, wenn man daran
denkt, dass Sie früher Möbel gebaut haben.

Chair, 1987-90 ©VG Bild-Kunst, Bonn
2003
Ich denke eher an Bob Mangolds jüngste Arbeiten, die viel ruhiger sind als die
Bilder von Davie.
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G.W. Bush, 2002© VG Bild-Kunst, Bonn 2003
Es gibt da bestimmt eine Querverbindung. Noch eine eher persönliche Bemerkung
- Sie haben im Zweiten Weltkrieg gekämpft -
Lichtenstein war in derselben Einheit -
Das habe ich erst später herausgefunden. Er war Pionier. Das bedeutet
Schlamm und Morast.
Welche Künstler interessieren Sie?
Brice Marden ist für mich der beste Maler überhaupt. Seine Malerei
interessiert mich sehr.
Was ist mit dem Werk von
Chuck Close?
Ja, natürlich, Chuck und ich sind dicke Freunde.
Ich dachte an Chuck Close, als wir über Lefrak City und
Apartment sprachen, besonders wenn es darum geht, wie Sie Räumlichkeit
sprengen und in Raster zerlegen. Wie bei Ihnen aus den einzelnen
Ausschnitten ein Gefühl von Leben entsteht, das beschäftigt offensichtlich
auch Chuck Close.
Chuck hat das auf den Punkt gebracht, und
natürlich beneide ich ihn darum, ich bewundere ihn außerordentlich. Wer
behauptet, jemanden derart zu bewundern ohne einen Anflug von Neid, der
lügt einfach. Wir können froh sein, dass diese Gemälde existieren, es ist
schön, sie um sich zu haben.
Es sind
wundervolle Bilder.
Mein Gott, ja. Er ist
in einfachen Verhältnissen aufgewachsen und fasste den Entschluss,
Künstler zu werden, und seine Eltern waren begeistert davon, dass er
Künstler werden wollte. Meine eigene Geschichte sieht ein wenig anders
aus. Es hat meinem Vater das Herz gebrochen.
Weil er wollte,
dass Sie Naturwissenschaftler werden?
Ja, natürlich.
Aber Ihre Mutter hat das verstanden.
Nein, sie war besorgt. Sie
sagte: "Wovon willst Du denn leben?"
Sie konnte nicht
wissen, dass Sie großen Erfolg haben würden.
Es tut
mir sehr leid, dass mein Vater nicht mehr erlebt hat, dass ich es
tatsächlich zu etwas gebracht habe. Das ist sehr traurig.
Cheryl Kaplan ist Künstlerin, Autorin und Kuratorin. Sie lebt in
New York und schreibt für Flash Art, smok, tema celeste
, BOMB und Art in America.
Übersetzung: Susanne Hofmann, Frankfurt
Copyright für alle Abbildungen von Richard Artschwagers Arbeiten: VG
Bild-Kunst, Bonn, 2003
Richard
Artschwager: "Auf und Nieder/Kreuz und Quer" 10.5 bis 6.7.
2003 Deutsche Guggenheim Unter den Linden 13-15 10117 Berlin
Fon +49 - (0)30 - 20 20 93-0 Fax +49 - (0)30 - 20 20 93-20
Öffnungszeiten: täglich von 11 bis 20 Uhr; donnerstags bis 22 Uhr
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