Das Marco - Museo de Arte Contemporáneo präsentiert die Größe der Deutschen
Kunst
Die Rückkehr der Giganten. Deutsche Malerei von
1975-1985 ist der Titel der Ausstellung, die einen bedeutenden Teil der
Sammlung Deutsche Bank präsentiert, und die heute (26.11.2002) Abend im Museo de Arte
Contemporáneo eröffnet wird. (Artikel im Original hier). Von
Martha Ramos
Der rückwärtsgewandte Blick deutscher Künstler in den
70er und 80er Jahren brachte zwei künstlerische Strömungen hervor: die
Neue Figuration und die Neuen Wilden, deren Positionen ab dem heutigen
Abend im Museo de Arte Contemporáneo in Monterrey in der Ausstellung Die
Rückkehr der Giganten. Deutsche Malerei von 1975-1985, aus der Sammlung
Deutsche Bank, zu sehen sind. Die Ausstellung, die ab 20:30 Uhr für
das Publikum geöffnet ist, bestückt die Säle 6, 7 und 8 des Museums mit
über 130 vorwiegend auf Papier gefertigten Arbeiten in unterschiedlichen
Formaten von zwölf herausragenden europäischen Künstlern. Die von Monterrey
weiter nach Mexiko City wandernde Ausstellung mit weiteren Stationen in
Brasilien, Argentinien und Chile präsentiert mit Georg Baselitz, Karl Horst
Hödicke, Antonius Höckelmann, Jörg Immendorff, Dieter Krieg, Markus Lüpertz
und A.R. Penck Künstler der sogenannten Neuen Figuration. Als Vertreter
der Jungen Wilden werden gezeigt: Elvira Bach, Walter Dahn, Jirí Georg
Dokoupil, Rainer Fetting und Helmut Middendorf.
Provokativer
Geist Dass diese Ausstellung in Südamerika gezeigt werden kann,
ist der Stiftung Deutsche Bank Americas zu verdanken, mit deren Gründung
die Deutsche Bank ihre kulturellen Aktivitäten in der Region ausweitete,
und die nach Aussage von Héctor Ramos, dem Geschäftsführer der Stiftung
in Lateinamerika, noch weitere Projekte in den Bereichen Kultur, Erziehung
und Soziales plant. Alle gezeigten Arbeiten verbindet der provokative
Geist, der die Künstler zu ihren Werken anregte. Mit der Rückbesinnung
auf die figurative Kunst stellten sie sich in Opposition zur Konzept- und
Minimal-Kunst der Nachkriegszeit, so Friedhelm Hütte, Kurator und Leiter
der Sammlung Deutsche Bank, bei der Eröffnungsrede zu Die Rückkehr der
Giganten. In diesem Sinne bezieht sich der Ausstellungstitel auf die
gleichnamige Arbeit von Fetting, der damit auf Gauguin und van Gogh anspielt
und sich in die geistige Tradition der Neoexpressionisten stellt. Die
in der Schau gezeigten Arbeiten, die einen gewichtigen Ausschnitt der fast
50.000 Werke umfassenden Sammlung Deutsche Bank repräsentieren, veranschaulichen
diesen erklärten Widerstand gegen die Theorielastigkeit der Kunst in einer
sinnlich überschäumenden, figurativen Sprache. Ivo Mesquita, der für den
Ausstellungskatalog verantwortliche brasilianische Kurator, verwies darauf,
dass die Wiederbelebung impressionistischer und expressionistischer Traditionen,
wie sie hier durch die europäischen Künstler vorgenommen wurde, sich in
ähnlicher Weise auch in Lateinamerika vollzog:
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"Die hiesigen Bewegungen
verstanden sich als Antwort auf eine exzessiv betriebene Rationalität,
die in den 50er und 60er Jahren vorherrschte. Es war eine an vielen Orten
formulierte Antwort, die in Lateinamerika aber eine große Resonanz hervorrief."
Schon damals brachte diese ablehnende Haltung gegenüber der konzeptionellen
Kunst den Künstlern den Vorwurf des Anachronismus ein. Diesen Umstand,
so der Kurator, sollten die Besucher von Die Rückkehr der Giganten
als Anregung verstehen, über einen aktuellen Diskurs nachzudenken: Gemeint
ist die derzeitige Debatte über die Stellung der Malerei gegenüber den
neuen digitalen und alternativen Medien in der Kunst, die jüngst zur Formulierung
neuer theoretischer Standpunkte führte. "Ich glaube," betonte Mesquita,
"dass die Betrachtung dieser Malerei nur über das Verständnis dessen erfolgen
kann, was in den 70er und 80er Jahren seinen Anfang nahm und über die Frage
nach dem Stellenwert der Malerei definiert wurde. Hieran muss ein aktueller
Diskurs anschließen, besonders wenn beharrlich vom 'Tod der Malerei' die
Rede ist, obgleich unaufhörlich weiter gemalt wird. Dabei sollte auch die
größer werdende Bedeutung der Neuen Medien in der Kunst nicht nur als Reaktion
auf ein vom Markt gewecktes Bedürfnis verstanden, sondern auf ihre Relevanz
für die Öffentlichkeit hin überprüft werden. Die Notwendigkeit des Neuen
für die Kunst muss hier wohl kaum mehr betont werden. Und dennoch: Es wird
weitergemalt! In diesem Sinne sollte die Ausstellung dazu dienen, jenen
ersten Moment der Befragung zum Anlass zu nehmen, die aktuellen Positionen
im Hinblick auf die verschiedenen künstlerischen Strömungen zu durchleuchten."
Beziehungen und Einflüsse Zu den Höhepunkten von Die
Rückkehr der Giganten gehören die gleich zu Beginn des Rundgangs plazierte
Arbeit Adler von Georg Baselitz, ebenso die Serie der kleinformatigen
Bilder von A.R. Penck und Die Umarmung der Nacht von Middendorf, die
der kraftvollen Emotionalität ihrer Schöpfer glaubwürdig Ausdruck verleihen.
Der Rundgang bietet dem Publikum dank der kunsthistorischen Texte von
Alejandro García Aguinaco die Möglichkeit, die Beziehungen, Einflüsse und
Entwicklungen der Künstler nachzuvollziehen, wobei der Kurator drei große
Gruppen einteilt: Eine erste mit den Künstlern der ersten Nachkriegsgeneration,
gefolgt von der zweiten mit den Künstlern aus Berlin und Köln. Den Abschluß
bildet die jüngere Künstlergeneration.
Vor den weißen Wandflächen
tritt die Farbigkeit der meisten Bilder – einige Arbeiten weisen Bezüge
zur afrikanischen Kunst auf - besonders hervor. Mit der einheitlichen Rahmung
der Bilder, welche die unterschiedlichen Formate ausgleicht, wird es dem
Besucher leichter gemacht, die Bezüge zwischen den Künstlern nachzuvollziehen.
Einen tieferen Einblick in das Thema der Ausstellung bieten Friedhelm Hütte
und Ivo Mesquita heute um 19:30 Uhr auf der Konferenz im Auditorium des
Marco. Anschließend um 20:30 Uhr wird die Ausstellung eröffnet. Beide Veranstaltungen
sind für das Publikum geöffnet. |